Und schon wieder zu langsam…
Veröffentlicht am: 23. Juni 2010
von: Ina zum Thema: Gastbeiträge, Tiere |
Der folgende Text ist ein Gastbeitrag von Inga Wocker.
Tiere sind fotografisch gesehen eine echte Herausforderung. Meist bewegen sie sich schnell aus dem Sucherviereck heraus, schauen weg, kommen viel zu nah, weil sie lieber die Kamera beschnüffeln oder gestreichelt sein wollen oder flüchten vor den merkwürdigen Zoomgeräuschen. Ich habe das große Glück, meine Bande täglich vor der Nase zu haben und kann daher mit meiner kleinen, Digitalkamera immer wieder mal einen neuen Versuch starten.
Es gibt unter den Tieren natürlich solche und solche, für den Anfang optimal sind die “Stars”, die sich liebend gerne in Positur setzen und sich regelrecht präsentieren und die “Grübler”, die man knipsen kann solange sie sich noch überlegen, wohin sie als nächstes gehen wollen.
Besonders faszinierend sind Bilder vom Zusammenspiel der Tiere untereinander, die Begegnung, Alltagsszenen.
Die schönsten Momente gehen dabei aber meist trotzdem ungeknipst vorbei, da ich dann gerade am Abmisten bin und keine Kamera zur Hand habe, weil es neblig ist, in Strömen regnet oder weil ich selbst unmittelbar an der Szene beteiligt bin. Da ich gerade jetzt im Frühjahr und Sommer meist draußen meine Essenspause mache, habe ich inzwischen jedoch oft mal prophylaktisch die Kamera dabei - ich kenne ja meine Tiere - und so fange ich doch die ein oder andere lustige Szene ein.
Stimmungsbilder mit Tieren sind dagegen völlig unplanbar, zuviele Faktoren spielen eine Rolle und können so gut wie gar nicht vorausgesehen werden. Hier hilft dann nur das “glückliche Händchen”, das an einem wundervollen Herbstmorgen die Kamera mitnimmt - zur Sicherheit, den Augenblick sofort erkennt und abdrückt, bevor sie mich am Rande der Weide entdecken und aus ihrer dösenden Untätigkeit erwachen.
Und dann gibt es noch die Bilder, die den Charakter des Tieres so treffend einfangen, dass man selbst im Nachhinein noch darüber staunt, oder wo sich im Bild die Beziehung zueinander viel eindeutiger und klarer zeigt als mit tausend umständlichen Beschreibungsversuchen je möglich wäre.
Und genau dann bin ich froh und dankbar für meine einfache und unkomplizierte Kamera und den rechten Augenblick. 
Inga Wocker fotografiert seit ihrer Kindheit, hat einige kleine Bildbände mit Fotos und Gedichten im Eigenverlag herausgebracht und lebt und arbeitet auf ihrem Hofprojekt für Mensch, Tier und Natur, näheres unter www.patchworkhof.de.
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